Eisbären in den Zoo ist irgendwo zwischen Dokumentation und Reportage angesiedelt und beschreibt meinen Weg zum Eishockey: Alles beginnt für mich 2025 mit dem Wunsch mehr zu erleben und einfach mal wieder ins Stadion zu gehen. Vom Fußball hatte ich die Nase voll und so blieben für mich nur Basketball, Handball und Eishockey. Am 2. Februar sehe ich mein erstes Eishockey-Spiel live. Es ist das erste Spiel der Eisbären nach Tobi Eders Tod. Die Atmosphäre in der Halle, die Geschwindigkeit des Spiels, die Physikalität, die Fangesänge – alles zieht mich sofort in den Bann und ich verliebe mich in den Sport.
Basketball, Handball, Eishockey
Meine Eishockey-Reise beginnt 25.01.2025 um 12:04 Uhr mit der Bestellbestätigung für das 22. Heimspiel der Eisbären Berlin gegen die Nürnberg Ice Tigers. Ich hatte mal wieder Lust auf Sport und wollte ins Stadion. Ich wollte Alba, den Füchsen und den Eisbären zusehen. Vom Fußball hatte ich schon lange genug und American Football hat mich nie so sehr fasziniert, dass ich mir mehr Namen hätte merken können, als von den Top-Quarterbacks und vielleicht dem ein oder anderen Tight-End.
Sportlich gesehen, war ich ein bisschen heimatlos geworden, dabei war Sport immer ein wichtiger Begleiter in meinem Leben. Eishockey hatte ich immer nur auf dem Computer gespielt und da auch nur NHL95. Dafür in den letzten 30 Jahren immer mal wieder.
Als ich dann in die Uber-Arena gegangen bin um ein Basketballspiel zu sehen, hat mich Alba rundum enttäuscht. Also nicht ALBA selbst, sondern eher das Spiel. Basketball ist nichts für mich. Zu körperlos. Zu statisch. Und auch die Atmosphäre in der Halle war ausbaufähig. Und das bei einem Spiel zwischen Alba und dem FC Bayern. Vielen Dank.
Im Fuchsbau war ich schon einige Male und Handball ist tatsächlich ein spannender Sport. Gerade weil die Füchse in diesem Jahr auch Meister wurden und die Stimmung immer gut war, wenn ich da war. Aber Klatschpappen sind nichts auf Dauer. Und nichts für eine Dauerkarte. Aber das Spiel ist zumindest nicht so statisch wie Fußball und deutlich körperlicher.
Also zurück zum Eishockey.
Eigentlich wollte ich das Spiel gegen Düsseldorf sehen. Aber das Spiel wurde verschoben und ich hatte eh kein Ticket bekommen. So kam es, dass das Spiel gegen die Nürnberg Ice Tigers mein erstes Eishockey-Spiel in der Arena werden sollte.
Und am 28. Januar ändert sich dann die Geschichte.
Einschub: Tobias Eder
Ein wichtiger Teil meiner Eishockey-Reise ist die Geschichte von Tobi Eder. Das heißt das Schlusskapitel seiner Geschichte. Der Schlussatz sozusagen.
Tobi Eder war mir aus dem Augenwinkel her bekannt. Im Tagesspiegel stand etwas von dem Eishockeyspieler der 2024 an Krebs erkrankt war.
Alles klar.
Gute Besserung.
Und zurück in den Alltag.
Mehr war da zu dem Zeitpunkt nicht für mich.
Am Dienstagabend, 28.01.2025 schrieb der Tagesspiegel dann, dass sich sein Gesundheitszustand dramatisch verschlechtert habe. Die Nacht überlebte er nicht. Tobias Eder starb im Alter von 26 Jahren. Das Spiel gegen die DEG, das am Freitag stattfinden sollte, wurde verschoben. Das Spiel gegen die Ice Tigers am Sonntag würde stattfinden.
Und irgendwie lese ich von all dem und es ist mir genauso nah wie vorher. Eine Randnotiz. Mir war noch nicht bewusst was der Tod von Tobi Eder bedeutete. Auch weil jeder prominente Tod mich unweigerlich mit meiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Ein unangenehmes Thema.
Mein erstes Spiel in der ArenA:
Eisbären Berlin gegen Nürnberg Ice Tigers

Datum: Sonntag, 02. Februar 2025
Uhrzeit: 19:15 Uhr
DEL-Hauptrunde 2024/25: 43. Spieltag und 4. Spiel zwischen Berlin und Nürnberg
Saison-Ergebnisse: 6:2 (H) | 3:2 (OT/ A) | 5:2 (A)
Auch wenn man nie ein Spiel im Stadion verfolgen konnte, war sofort klar: Hier ist heute alles anders, als es möglicherweise sonst gewesen wäre. Alles war ein bisschen bedrückt. Das Showspektakel, dass ich seitdem immer vor den Spielen sehe, deutlich abgespeckt. Uwe Schumann spricht und das ganze Stadion ist leise. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich das sehe:
Die Spieler der Eisbären werden nicht rausgerufen, wie sonst. Der Film, der zu Tobis Gedenken gezeigt wird, wird still verfolgt. Und zum Ende ertönen dann Tobie Eder Sprechchöre durch die Halle.
Ergreifend.
Wenn der Sport etwas kann, dann kann er uns dabei helfen, Dinge in Relation zu sehen und zu verstehen, dass es immer weitergeht. Nach jedem Spiel, nach jeder Niederlage, nach jedem Erfolg und nach jedem Verlust. Normalität wird erst zur nächsten Saison in die Uber-Arena zurückkehren, bis dahin ist Tobi Eder immer ein Teil des Spiels, des Teams, des Vereins.
Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. 36 Sekunden dauert es vom ersten Bully bis Ty Ronning das 1:0 erzielt. Damals kannte ich diesen Ty Ronning noch nicht. Es ertönte Viva la Vida von Coldplay. Tobis Lieblingslied.
Im Spiel selbst geht es danach eigentlich weiter wie immer. Viele Wechsel, viele Checks, Strafen. Nach und nach kamen all die Hockey-Elemente zurück, die ich durch NHL95 gelernt hatte. Die Abseitsregel zum Beispiel, war mir nicht fremd. Ein riesiger Vorteil wenn man Eishockey schauen und verstehen will.
Und während ich den Jungs auf dem Eis zuschaute und die Fans, wie im Fußballstadion, durchsangen, verlor ich mehr und mehr mein Zeitgefühl. Alles war aufregend, alles war faszinierend. Nicht alles hatte damals schon Sinn gemacht (an die vielen Wechsel der Spieler – die Shifts – habe ich mich erst irgendwann zum Stanley Cup Finale gewöhnt).
Nürnberg schaffte in der 27. Minute in einem Powerplay den Ausgleich. Cole Maier (dessen Name mir genau soviel sagte wie Ty Ronning oder Liam Kirk) hatte getroffen.
„Ene mene miste, es rappelt in der Kiste…“ In der 31. Minute erzielte Kai Wissmann das 2:1 und setzte damit den Schlusspunkt unter dieses Spiel. Ein satter Strahl vom Punkt und ich durfte zum ersten Mal die Torhymne der Eisbären bewundern und die Wedelnden Schals beobachten.
Nürnberg zog zwar noch den Goalie, aber die Eisbären hatten gewonnen. Und ich hatte mich verliebt. In einen Sport. In einen Verein.
Auf dem Weg nach Hause bin ich elektrisiert. Das will ich unbedingt nochmal erleben. Und ich erlebe es nochmal. Aber es dauert bis zu den Playoffs 2025, bis ich in die Arena zurückkehre.


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