Meinung: Coaches Challenge in der DEL?

Am 6. Spieltag gab es einen kleinen Aufreger: Das Siegtor der Schwenninger Wild Wings bei den Eisbären Berlin hätte wegen eines Abseits nicht zählen dürfen. In der NHL hätten die Eisbären das Recht gehabt, einen Videobeweis zu fordern. Wir stellen heute die Frage: Brauchen wir die Coaches Challenge in der DEL?

In der NHL sieht man Trainer nach Gegentoren häufig intensiv auf den Boden schauen. Das ist keine Schambekundung, sondern der Blick auf einen im Boden eingelassenen Monitor. Dort wird den Coaches gezeigt, ob vor dem Tor ein Abseits vorgelegen haben könnte. Das ist sehr bedeutsam in der Nordamerikanischen Hockey Liga, denn Trainer dürfen unter bestimmten Umständen einen Videobeweis fordern. Twist: falls die Challenge scheitert gibt es eine kleine Bankstrafe on top zum Gegentor. Eine Split-Second-Decission mit großer Tragweite. Missbrauch quasi ausgeschlossen.

Coach Serge Aubin mag sich diese Challenge am Sonntag im Spiel gegen die Schwenninger Wild Wings auch gewünscht haben. Zumindest war er einer der wenigen, denen die Abseitsstellung vor dem Schwenninger Siegtreffer durch Patzer aufgefallen war, wie sich im Interview mit MagentaSport nach Spiel herausstellte.

Hatte das Abseits direkt gesehen: Eisbären-Coach Serge Aubin.

Wer die Niederlage der Eisbären an dieser Fehlentscheidung festmachen will, der überschätzt drastisch diese 15 Sekunden als spielentscheidend. Das waren sie nicht. Wenige Augenblicke vor dem 2:1 hatten die Wild Wings schon einen vielversprechenden Konter gefahren, den aber Stettmer entschärfen konnte. Die Eisbären haben am Sonntag verloren, weil sie ihre unzähligen Torchancen nicht nutzen konnten.

Warum finde ich die Coaches Challenge also trotzdem richtig?

Die Coaches Challenge für Abseits ist eine der wenigen Videobeweise, die mich im Sport nicht stören. Der Spielfluss wird selten unterbrochen, da die Trainer und Videoanalysten, die den Trainern zuarbeiten, nicht mehr Zeit erhalten, als es üblicherweise dauert, das Spiel nach einem Tor fortzuführen. Sie müssen sich also in kurzer Zeit sehr sicher sein.

Und dann gibt es die Bankstrafe, die den Missbrauch so gut wie ausschließt: Geht die Challenge verloren, bleibt nicht nur der Gegentreffer bestehen, es gibt auch noch eine Bankstrafe für Spielverzögerung. Diese Doppelbestrafung riskiert kaum jemand aufgrund einer Ahnung.

Und zu guter Letzt legt man die Entscheidung für den Videobeweis in die Hände der Partei, die im Hockeymatch das größte Interesse daran hat, das Tor zurückzunehmen. Das heißt, wir können uns sicher sein, dass eine Coaches Challenge dieser Art das Spiel gerechter machen würde, den Spielfluss nicht sonderlich beeinträchtigt und ziemlich gut gegen Missbrauch abgesichert wäre.

Daher bin ich für die Coaches Challenge bei möglichen Abseitsstellungen vor Toren.


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