Adler fertigen Eisbären 7:1 ab

Die Adler Mannheim gewinnen nach zwölf sieglosen Spielen in Serie mal wieder gegen den Rekordmeister aus Berlin. Das 7:1 ist eine herausragende Leistung. Sie sind den Berlinern in allen Belangen überlegen. Max Penkin wird zum jüngsten DEL-Torschützen. Überschattet wird das Spiel von den Verletzungen von Luke Esposito (26. Minute) und Ty Ronning (15. Minute). Ronnings Punkte-Streak endet damit nach 30 Spielen.

Inhalt

Spielbericht

Datum: Freitag, 19.09.2025
Uhrzeit: 19:30 Uhr
Ort: SAP-Arena, Mannheim
Zuschauerzahl: 12.055

Tore: 1:0 Zachary Solow (8.) | 2:0 Kristian Reichel (23./ PP) | 3:0 Marc Michaelis (29./ PP) | 4:0 Max Penkin (35.) | 5:0 Kristian Reichel (37./ SH) | 6:0 Zachary Solow (39./ PP) | 7:0 Maximilian Heim (42.) | 7:1 Markus Vikingstadt (58.)

Erstes Drittel

Die ersten Sekunden des Spiels setzen gleich eine Duftmarke. Lean Bergmann sucht nach einem Raufkumpanen. Matthias Plachta winkt ab, Luke Esposito springt ein. Parallel tauschen Yannick Veilleux und Dan Renouf ein paar Handgreiflichkeiten aus. Esposito gewinnt für die Adler und Veilleux für die Eisbären. Wenn man denn von gewinnen reden möchte.

Alle vier nehmen dann für 5 Minuten auf der Strafbank platz und das Spiel darf endlich losgehen. In der 3. Minute kommt Eder nach Zuspiel von Vikingstad frei zum Schuss, aber Franzreb pariert. Danach spielen nur noch die Adler.

In der 7. Minute kommt es erneut zu einem Faustkampf. Dieses Mal zwischen Gawanke und Byron. Der Mannheimer drückt den Berliner aber schnell auf’s Eis und beendet die Situation. Eishockey wurde auch immer mal wieder gespielt, aber meist von den Mannheimern. Zachary Solow erzielt in der 8. Minute das 1:0 für die Adler nach Vorlage von Mattinen und Greco.

In der 15. Minute brennen dann Kris Bennett einmal die Sicherungen durch, als er Ty Ronning gegen das Knie fährt. Die Refs belassen es hier bei einer kleinen Strafe, aber Bennett hätte sich auch über eine große Strafe und Spieldauer für ein Kneeing nicht beschweren dürfen. Ronning kann nicht weiterspielen und damit endet ziemlich unrühmlich sein Scoring Streak nach 30 Spielen. Glückwunsch und gute Besserung!

Das Powerplay der Eisbären kommt dann schnell in die Position, ohne wirklich gefährlich zu werden. Die Adler stehen gut, laufen aber auch gut an. Nach 38 Sekunden ist das Powerplay vorbei und Eric Hördler geht für ein Hooking auf die Strafbank.

Das Drittel endet mit weiteren Torchancen für die Mannheimer. Berlin läuft fast nur hinterher.

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Zweites Drittel

Wie unangenehm startet dann das zweite Drittel für die Eisbären? Wechselfehler! Schon gegen die Eislöwen hatte es den gegeben, aber da war der Meister noch glimpflich davon gekommen. In der 22. Minute stehen zu viele Berliner auf dem Eis – Pföderl sitzt die Bankstrafe ab. In der 23. Minute nutzt dann Kristian Reichel die Überzahl für das 2:0. Dieser Wechselfehler war teuer.

In der 26. Minute checkt Yannik Veilleux brutal gegen Luke Esposito. Esposito befindet sich irgendwo nahe der Torlinie und der Seitenbande und spielt unmittelbar vor dem Kontakt die Scheibe. Dass Veilleux diesen Check gegen den wehrlosen Esposito fährt lässt sich nicht erklären und nur schwer anschauen. Der Helm des Getroffenen fliegt als erstes weg und dann donnert Esposito in die Bande. Die Mannheimer Spieler und die Refs winken sofort die Trage herbei. Mehrere Minuten vergehen bis Luke Esposito endlich vom Eis ist und noch weitere Zeit vergeht, da das Eis wiederhergerichtet werden muss. Ein Euphemismus für: Der Spieler hat so stark geblutet, dass das Eis nicht mehr vorzeigbar ist. Gute Besserung!

Veilleux geht völlig zurecht für 5 Minuten plus Spieldauer vom Eis. Der Disziplinarausschuss wird eine Meinung zu dieser Aktion des Wiederholungstäters haben.

Das Penalty Killing der Eisbären funktioniert dann über die längste Zeit der großen Strafe, trotzdem gelingt Marc Michaelis in der 29. Minute das 3:0 in Überzahl. Eigentlich verzieht er den One-Timer aber gerade dadurch wird das Tor auch zu einem Hingucker.

In der 35. Minute darf sich dann der 16-jährige Max Penkin als jüngster Torschütze in die DEL-Geschichtsbücher einschreiben. Jonas Müller zieht über den Puck und Penkin zieht auf und davon. Ein Gastgeschenk, dass Penkin gerne annimmt. Aber wie er Stettmer auskurvt ist einfach nur beeindruckend.

In der 36. Minute darf Kris Bennett noch einmal für 2 Minuten auf die Strafbank, nachdem er auch Andy Eder gegen das Bein fährt. Vielleicht sollte auch Kris Bennett sich einmal hinterfragen. Es ist eine Sache hart zu spielen, es ist aber eine ganz andere, seinen Gegner verletzen zu wollen. Rücksichtslos.

Wie perplex die Berliner in diesem Spiel agieren sieht man dann am Powerplay. Man hat eigentlich das Gefühl, die Hauptstädter spielen in Unterzahl, so dominant verteidigen die Adler. Und zu alledem trifft dann Kristian Reichel zum zweiten Mal am Abend in der 37. Minute. Der Treffer fällt in Unterzahl (Shorthanded) bei angezeigter Berliner Strafe.

Völlig untypisch lässt sich dann auch Leo Pföderl von der Unruhe anstecken und kassiert eine kleine Strafe wegen Slashing. Es ist sein zweiter Besuch auf der Strafbank an diesem Abend, denn die Bankstrafe für den Wechselfehler durfte er auch schon absitzen.

Und auch in diesem Powerplay treffen die Adler. Zachary Solow macht die Packung für den großen Rivalen in der 39. Minute perfekt. 6:0 für Mannheim. 5 Tore im zweiten Drittel.

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Drittes Drittel

In der 42. Minute erhöht Maximilian Heim auf 7:0. Wer dachte, die Berliner würden sich jetzt wehren und Eisbärenhockey spielen wird enttäuscht. Zu dominant ist der Auftritt der Adler am heutigen Abend. Das skaten ist soviel leichter, wenn du 7:0 führst und die Poke-Checks sitzen soviel besser und Blocks kommen soviel einfacher.

Die Eisbären versuchen zwar den Ehrentreffer zu erzielen, sie werden aber auch immer wieder defensiv ausgespielt. Stettmer darf sich in der 53., der 54. und 56. Minute in höchster Not auszeichnen. Bitter wenn es bei 7 Gegentreffern heißt: Der Goalie hat ein gutes Spiel gemacht. Hat er auch und es ist irgendwie auch ein Zeichen von Serge Aubin, dass er nicht nach 5 Gegentreffern den Goalie tauscht. Ob Stettmer aber am Sonntag spielen wird ist eine andere Frage.

In der 57. Minute trifft dann Markus Vikingstad doch noch zum Ehrentreffer für die Eisbären. Tiffels und Panocha hatten vorbereitet. Das Tiffels den Assist bekommt ist kein Zufall. Er ist vielleicht der Spieler, der sich sichtbar am meisten gegen die Mannheimer Dominanz stemmt. Mehrfach spaziert er durch die Adler-Abwehr und verteilt die Scheibe.

Aber er alleine kann es nicht richten und so endet die Partie 7:1 für die Adler Mannheim. Ein Sieg, der auch in der Höhe völlig verdient ist. Den Mannheimern gelingt eine kleine Revanche für den Sweep im Playoff-Halbfinale der Vorsaison.

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Fazit

Die Adler Mannheim erwischen einen Sahnetag, aber die Verletzung von Luke Esposito überschattet die Freude über den Sieg merklich. Max Renkin ist mit 16 Jahren der jüngste Torschütze der DEL (halb ein Gastgeschenk von Jonas Müller und halb die bereits ersichtliche Klasse).

Mannheim überzeugt vor allem Defensiv und lässt die Berliner nicht ins Spiel kommen. Hinzukommt ein überragender Forecheck. Alles Dinge, die man üblicherweise von den Eisbären sieht. Die Adler waren das ganze Spiel über konzentriert bei der Sache und hart im Spiel . Aber selten überhart. Das macht den Unterschied.

Und wenn man erst einmal mit drei oder vier Toren führt, skatet es sich auch um vieles leichter. Bemerkenswert: Die Adler hören nicht auf zu spielen und unterdrücken jeden Comeback-Versuch der Berliner. Sie haben an diesem Abend gezeigt, wie man den Rekordmeister schlagen kann. Zur Nachahmung empfohlen!

Bei den Eisbären Berlin kann man mit der Leistung nicht zufrieden sein. Ty Ronnings Verletzung lastet hier wohl auch stärker auf der Stimmung, als die Klatsche vom Rivalen. Aber woran hat es gelegen?

Ty Ronning fehlt, aber auch als er auf dem Eis gestanden hat, waren die Eisbären weit weg vom Gegner. Man hat das Bemühen gespürt, ins Spiel zu kommen. Zumindest bis zur 26. Minute und dem unnötig brutalem Foul von Yannick Veilleux. Danach geht eigentlich nichts mehr bei den Berlinern.

Freddy Tiffels kann im letzten Drittel noch ein paar Mal seine Klasse beweisen, kann es aber alleine auch nicht richten. Die Adler Mannheim waren an diesem Abend einfach besser in allen Belangen. Vielleicht fokussieren sich die Eisbären ja im nächsten Aufeinandertreffen wieder auf’s Eishockeyspielen und weniger auf offene Rechnungen, die man mit Kampfeinlagen und überharten Checks begleichen möchte.

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Kommentar: Gesunde Härte?

Dieses Spiel war von der ersten Sekunde an hart. Yannik Veilleux, Lean Bergmann, Luke Esposito und Kris Bennett waren treibende Kräfte – die Agressive Leader, wenn man es positiv sehen will. Die Faustkämpfe, die die Adler und Eisbären austragen bleiben größtenteils harmlos und irritieren nur den Eishockeyfeinschmecker. Der Eishockeyromantiker freut sich über die robuste Seite des Sports.

Kris Bennett beendet Ty Ronnings Punkte-Streak. 30 Spiele in Folge mit Torbeteiligung hatte dieser vollbracht. Schade drum. Das Bennett um eine große Strafe und eine Spieldauerstrafe davonkommt, als er in der 15. Minute Ty Ronning gegen das Knie fährt ist gut für ihn und schlecht für das Fairplay. Vielleicht wird der Disziplinarausschuss ja trotzdem aktiv.

Yannik Veilleux wird nicht um eine Spielstrafe herumkommen, dafür war sein Vergehen zu eindeutig. Luke Esposito hat ihn in der 26. Minute nicht kommen sehen und man sieht richtig, wie Veilleux durchzieht. Der einzige Grund, warum er nicht mit Charging vom Eis gegangen ist, ist der, dass der Check gegen den Kopf vor allen anderen Strafen zu werten ist. Eine große Strafe und eine Spieldauerstrafe waren mehr als gerechtfertigt. Der Disziplinarausschuss wird ihm sicherlich noch eine zusätzliche Pause zum Nachdenken geben wollen. Als Wiederholungstäter dürfte er sich über sechs oder mehr Spiele Sperre nicht beschweren.

Sowohl Bennett als auch Veilleux hatten beide die Chance den Kontakt mit dem Gegenspieler zu vermeiden. Da stellt sich doch die Frage: Warum ziehen die dann durch?

Die Antwort ist vielschichtig. Präsenz zeigen, Macho-Gehabe, ein Zeichen setzen wollen, Rache nehmen. Eishockey ist auch ein „Sport of Attrition“, also ein Abnutzungskampf. Den Gegner ins Land der Schmerzen zu versetzen gehört irgendwie dazu. Einem Mo Müller gegen die Schulter zu gehen, wenn man weiß, dass er Probleme mit der Schulter hat, war in den letzten Playoffs ein anerkanntes Mittel. Die Grenze zwischen gesunder Härte und Körperverletzung ist dabei fließend.

Als Zuschauer sind wir deshalb geschockt, weil wir die Wirkung sehen. Die Wirkung ist oft genug blutig. Eishockey ist ein Kontaktsport und doch ist man geschockt, wenn man sieht, wie bei einem Hit der Helm wegfliegt und ein Spieler reglos blutend an der Bande liegt. Es wird einem auch ganz anders, wenn die Zamboni-Maschine eine Ehrenrunde auf dem Eis dreht, um das Blut anschließend aufzuwischen. Wer will schon Blut auf dem Eis sehen? Das ist schlecht für’s Geschäft.

Man ist geschockt wenn man sieht, wie ein Ty Ronning sein Knie belastet und dann in der Kabine verschwindet. Geschockt weil man weiß: Der richtige Schmerz wird erst morgen kommen und dann kommt die Diagnose. Wie lange fällt er aus? Hoffentlich nicht zu lange. Und bei diesem Foul von Bennett können wir noch froh sein, dass wir kein unnatürlich verdrehtes Bein zu sehen bekommen haben.

Man kann den Betroffenen nur gute Besserung wünschen. Ein Träumchen wäre es, wenn sich die beiden Verletzungsverursacher bei den von ihnen Geschädigten entschuldigen würden. Einen Strauß Blumen müssen sie ja nicht dabei haben, aber eine aufrichtige Bitte um Verzeihung wäre ein guter Anfang.

An dieser Stelle zumindest von mir die aufrichtigen Genesungswünsche: Gute Besserung Ty Ronning und Luke Esposito!

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Ausblick

Am Sonntag treten die Eisbären bei den Fishtown Pinguins Bremerhaven an, die Adler empfangen den ERC Ingolstadt.

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