Eisbären verlieren deutlich in der CHL

Die Eisbären Berlin verlieren zum zweiten Mal in dieser Saison in der Champions Hockey League. Phasen von totaler Unterlegenheit und aufopferungsvollem Kampf wechseln sich ab. Es wird nie langweilig im Welli und auch, wenn die Messe nach gut einer halben Stunde gelesen ist, bricht die Stimmung auf den Rängen nicht ab. Am Ende hüpft das ganze Stadion und man geht trotz einer herben 2:6-Klatsche irgendwie zufrieden nach Hause. Es ist halt nur die CHL. Wer weiß wie alles gelaufen wäre, wenn die Gäste aus Mannheim angereist wären und es um einen Playoff-Platz in der DEL gegangen wäre.

Inhalt

Spielbericht

Datum: Freitag, 05. September 2025
Uhrzeit: 19:30 Uhr
Ort: Wellblechpalast, Berlin (Sportforum Hohenschönhausen)

erstes Drittel: Klar unterlegen dann Aufbäumen dann Hoffnung schöpfen

Lukko Rauma gibt vom Start weg den Ton und geht in der fünften Minute verdient durch Jandric in Führung. Es folgt ein Aufbäumen, das vor allem von der vierten Reihe (Noebels, Wiederer und Bergmann) ausgeht. Es kommt aus Eisbärensicht nur nichts zählbares dabei heraus. Ein Schuss von Ty Ronning geht nach 10 Minuten über das Gehäuse.

Das 2:0 für die Gäste in der 13.Minute ist dann ein Distanzschuss von Gélinas von der blauen Linie, den Stettmer erst sieht, als er bereits an ihm vorbei gesegelt ist. Machtlos ist ein Goalie zwar nie, aber zumindest trifft ihn keine Schuld. Ein schwacher Trost.

Es folgen jeweils ein Powerplay für die Eisbären und eines für Lukko Rauma, die aber torlos zu Ende gehen. Man merkt, dass Lukko Rauma deutlich physischer und härter zur Sache geht, als die Eisbären. Mehr als einmal teilt ein Finne noch einen Haken aus, nachdem das Spiel längst unterbrochen wurde. Bis auf Freddy Tiffels lässt sich aber kein Eisbär auf ein Scharmützel mit einem Finnen ein. Nicht einmal Lean Bergmann, der gegen Storhamar Hamar nicht lange bitten lassen musste, nachdem sein Goalie angegangen wurde. (An dieser Stelle Respekt an Lean, dass er in diesem Spiel hart, aber nicht übertrieben hart an die Sache rangegangen ist. Und noch mehr Respekt, dass er sich nicht provozieren lassen hat.) Auf Eisbären-Seite gab es aber auch genug Checks die zu Ende gefahren wurden. Die Jungs haben den Kampf schon angenommen.

Es fällt aber auch auf, dass die Finnen allesamt herausragende Skater sind, die extrem enge Kurven unter Höchstgeschwindigkeit fahren können. Da schauen die Eisbären mehr als einmal nur staunend hinterher.

Hoffnung kommt auf, als Ty Ronning im zweiten Powerplay der Eisbären in der 20.Minute die Scheibe im Tor unterbringt.

Mit 2:1 geht es in die erste Pause.

nach oben

Das zweite Drittel: Eisbären Chancenlos

Das zweite Drittel ist für Eisbärenfans schwer zu verkraften. Mit etwa einer Minute Powerplay starten die Eisbären in den zweiten Durchgang und scheitern immer wieder an der herausragenden Abwehr der Finnen. Wieder vollzählig erzielt Morand in der 22.Minute aus spitzem Winkel und der Unterstützung eines minimalen Spalts zwischen Stettmers Schonern das 3:1. Stettmer sieht nicht gut aus, aber solche Tore fallen immer mal wieder im Eishockey.

Lukko Rauma macht jedenfalls ernst. Sie drängen auf das nächste Tor und erzielen im Powerplay schließlich das 4:1 in der 25.Minute durch Beaucage. Stettmer hat daraufhin genug und zerschlägt seinen Schläger am eigenen Gehäuse. Der Schläger konnte am wenigsten dafür, dass der Schuss im langen Eck einschlägt.

Jonas-Stettmer-Rufe schallen durch die Halle und der Goalie bleibt vorerst im Kasten.

Fast zehn Minuten passiert dann nicht all zuviel. Luuko Rauma ist immer noch überlegen ohne zu drängen. Die Eisbären versuchen sich irgendwie gegen die Niederlage zu stemmen, ohne wirklich durchschlagskräftig in Erscheinung zu treten. In Ansätzen ist aber das Potential dieser Berliner Mannschaft zu spüren – etwa wenn Eric Hördler aus der eigenen Defensivzone kraftvoll durch die neutrale Zone skatet. Die Fans unterstützen ungebrochen.

In der 34.Minute ist dann Jonas Stettmers Arbeitstag beendet, nachdem er die Scheibe zum fünften Mal aus seinem Netz fischen durfte. Ein klassischer Konter, der rechts unten einschlägt. Olsson ist der Torschütze. Nicht unhaltbar. Stettmar geht und Jake Hildebrand darf zeigen, was in ihm steckt.

Beim ersten Berliner Angriff nach dem Gegentor zeigt dann Antti Raanta was für eine Klasse er besitzt. Er hält aus kurzer Distanz gegen Andy Eder, der viel Netz vor sich hatte. Das wäre natürlich eine krasse Antwort gewesen, die noch einmal Mut gemacht hätte. In der 37.Minute trifft Ty Ronning nur die Latte. Ein One-Timer von Reinke in derselben Minute und am Ende bleibt es beim „hätte, hätte…“.

Das zweite Drittel endet mit einer Zeitstrafe wegen übertriebener Härte für Tiffels und Hämäläinen. Wobei ich im Stadion selbst nicht erkennen konnte, wofür Tiffels auf die Strafbank musste, aber die TV-Bilder zeigen dann doch, dass Freddy durchaus auch ausgeteilt hat.

nach oben

Das dritte Drittel: Lukko sorgt früh für KLare Verhältnisse und danach gibt es noch ein bisschen Eisbärenhockey

Die Finnen zeigen nach 30 Sekunden im letzten Drittel noch einmal was passiert, wenn man übertrieben motiviert aus der Pause kommt. Jonas Müller will es direkt alleine richten und cruist elegant durch die ganze finnische Abwehr. Ein Spielzug der durchaus ein Tor verdient hätte. Aber hätte, hätte Fahrradkette: Im direkten Gegenzug fällt das 6:1 durch Stenqvist.

Danach ist eigentlich nur noch Wunden lecken angesagt. Die Finnen stellen auf Ergebnisverwaltung um und die Eisbären versuchen noch einmal den Fans etwas zu bieten. In der 42.Minute ziehen Wiederer und Bergmann in Unterzahl zum Tor, aber Bergmann haut die Scheibe deutlich übers Tor.

Beim zweiten Ehrentreffer in der 44.Minute durch Andy Eder schaffen es die Eisbären dann auch einmal mit Überzeugung vor das gegnerische Tor zu ziehen. Veilleux kommt von der Strafbank und zieht von dannen. Er passt auf Noebels, der auf den zentralen Eder und Eder vollendet. Schönes Tor. – Aber too little to late.

Lukko Rauma und die Eisbären kommen zwar noch zu Chancen, aber nicht mehr zu weiteren Toren. Nach dem 2:6 ist die Halle nochmal einen Ticken lauter. Die Eisbären fahren ihre Checks zu Ende und verteidigen aufopferungsvoll. Man sieht noch einmal 15 Minuten lang Eisbärenhockey. Am Ende erkämpfen sich die Eisbären ein 1:1 im letzten Drittel und gehen mit einem kleinen Erfolgserlebnis nach Hause.

nach oben

Ein paar Worte zu den Goalies

Jonas Stettmer erwischt einen gebrauchten Tag. Wobei er eigentlich gut ins Spiel kommt. Er entschärft drei richtig gute Abschlüsse der Finnen, aber erlaubt sich auch zwei Unsicherheiten aus dem Trapez hinterm Tor (gleich das erste Mal hinterm Tor passt er zu einem Finnen). Seine, teilweise herausragenden Paraden, reichen aber nicht, um seine fünf Gegentore auszugleichen.

Mit dem 0:1 und dem 0:2 fängt er sich zwei Gegentore, die passieren können. Beide Male ist ihm die Sicht versperrt – aber nicht Schuld an einem Gegentor zu sein ist für einen Goalie ein schwacher Trost. Am Ende stehen halt zwei Gegentore in deiner Statistik.

Aber was soll Stettmer auch machen, wenn der gesamte Defensivverband es nicht schafft Lukko Raumas Druck zu verteidigen. Mehr als einmal werden die Eisbären tief in die eigene Defensivzone gedrückt und wirken passiv. Oft wirkt es wie ein Powerplay, dabei spielen 5-gegen-5.

Bei den Gegentoren 3, 4 und 5 sieht Stettmer dann einfach mindestens unglücklich aus. Das dritte rutscht ihm irgendwie durch die Schoner (Shit happens), das vierte ist ein Powerplay-Gegentor aus spitzem Winkel (passiert) und das fünfte geht flach ins untere Eck (den sollte er eigentlich haben).

Settmers Statistik am Ende liest sich schlechter als seine eigentliche Leistung: Von 15 Schüssen aufs Tor kann er nur 10 abwehren. Nach 33:42 Minuten endet sein Arbeitstag.

Jake Hildebrand bekommt dann in 26:18 Minuten Eiszeit 10 Schüsse aufs Tor und muss auch einmal hinter sich greifen. Seine Save Percentage ist zwar deutlich besser als Stettmers, aber Lukko Rauma hat im letzten Drittel eigentlich ein oder zwei Gänge zurückgeschaltet.

Auch Hildebrand hätte vermutlich nicht besser performt als Stettmer. Das Kollektiv der Eisbären hat einfach nicht immer die passende Antwort auf die druckvollen Phasen der Finnen gefunden. In Erinnerung bleibt mir eine überragende Parade bei dem Hildebrand einen Schuss von Hämäläinen in der 52.Minute mit dem Schoner abwehrt. Großes Kino.

Antti Raanta erwischt einen Sahnetag, den man auch bei ihm nicht so sehr in den Statistiken findet (.905 SVS% bei 21 SOG und 2 GA) sondern eher in zwei, drei Paraden für sicher geglaubte Tore der Eisbären. Er ist vielleicht der wichtigste Grund, warum die Eisbären am Ende kaum Hoffnung hatten.

nach oben

Ein paar Worte zur Stimmung

Mein erstes Spiel im Welli und ich bin zufrieden. Die Kurve kommt deutlich lauter rüber als in der Uber-Arena. Man merkt aber auch, dass das Interesse an der CHL nicht so groß ist, wie an der DEL. Im Block B hüpfen die wenigsten Reihen und singen die wenigsten Menschen.
Das tut meiner Stimmung aber keinen Abbruch. Die Fans singen von der ersten bis zur letzten Sekunde. Es gibt eine kleine Choreo und am Ende hüpft das ganze Stadion. Leidenschaft und Freude eben.

nach oben

Fazit

Lukko Rauma war schneller und taktisch besser. Sie sind der verdiente Sieger dieses Spiels. Im Powerplay der Eisbären hatte man manchmal Schwierigkeiten zu erkennen, wer hier eigentlich in Unterzahl spielt. Starke Deckung der Finnen und mega Skating-Skills. Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass sie, wenn sie denn nur gewollt hätten, das Ganze an diesem Abend auch hätten zweistellig gestalten können.

Bei den Eisbären Berlin kommt unterm Strich nicht viel zusammen. Aber sie waren auch nicht soviel schlechter als Lukko Rauma. Wenn Raanta nicht zwei 100%ige entschärft und die Scheiben von Ronning nicht an die Latte bzw. über die Latte gehen, kann ein Momentum entstehen, das einen zum Sieg tragen kann. Oder kurz: Auch wenn Lukko Rauma an diesem Abend klar besser war, heißt das nicht, dass sie automatisch jedes Spiel gegen diese Eisbärenbande gewinnen würden. Das macht zumindest Hoffnung für den weiteren Verlauf der CHL.

Irgendwie bleibt bei mir das Gefühl zurück, dass die CHL für die Eisbären ein besseres Vorbereitungsturnier darstellt. Klar sind sie schon ganz gut eingespielt und klar, wollen sie kein Spiel verlieren, und doch fühlt es sich so an, als würden sie noch mitten in der Vorbereitung stecken.

nach oben

Ausblick

Zwei verlorene Spiele sind eine große Bürde um sich für die nächste Runde der CHL zu qualifizieren. Die Eisbären müssen am Sonntag gegen Grenoble auf einen schwächeren Gegner hoffen, und so merkwürdig das klingen mag, genauso spielen, wie gegen Lukko Rauma. Ob Grenoble den Eisbären diesen Gefallen tun wird, nachdem sie 8:5 bei den Fishtown Pinguins gewonnen haben, bleibt abzuwarten.

Mit Frölunda Gothenburg kommt dann am 07. Oktober ein Team zu Besuch, dass in der Saison 2022/23 zwei Mal gegen die Eisbären gewonnen hat (7:1 in Gothenburg und 3:2 in Berlin) und nach drei Spieltagen in dieser Saison in der CHL noch ungeschlagen ist. Das letzte Spiel der CHL-Hauptrunde findet dann am 15. Oktober in Salzburg statt. Die roten Bullen konnten immerhin schon zwei Spiele dieses Jahr in der CHL für sich entscheiden.

Um weiterzukommen brauchen die Eisbären mindestens 9 Punkte – davon sind sie aktuell zwei Siege entfernt. Grenoble, Gothenburg und Salzburg sind ganz bestimmt keine Laufkundschaft, die nur darauf warten, die Punkte in Berlin zu lassen. Das selbst ernannte Ziel, die CHL zu gewinnen, liegt für die Eisbären also in weiter Ferne.

nach oben

Zusammenfassung

Highlights findet ihr hier:

Und das Gamecenter zum Spiel findet ihr hier.

nach oben


Beitrag veröffentlicht

in

, ,

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert